Im Nachgang zu einem Livestream für professionelle Anleger kamen Fragen auf, warum der DiR2 nicht in bestimmte zusätzliche Anlageklassen investiert. Da dieses Thema allgemein interessant ist, gebe ich hier Auskunft zu den im Livestream angesprochenen Anlageklassen:

**Covered Call Writing**

Das Schreiben von Optionen (CCW) generiert langfristig eine positive Einnahme für ein diversifiziertes Portfolio. Das ist gut. Außerdem hat es in der meisten Zeit auch die Eigenschaft, weniger korreliert zu anderen Anlageklassen zu sein. Auch das ist grundsätzlich eine für den Fonds erwünschte Eigenschaft. Es ist deshalb im Grunde eine sehr interessante Anlageklasse. Leider hat sie ein Verhalten, welches zum bisherigen Ausschluss geführt hat: Im Crash-Fall weist sie eine 100%ige Korrelation zur Anlageklasse Aktie auf und reisst so den Fonds in einer zweiten zusätzlichen Komponente tiefer in den Maximum Drawdown, unserem präferierten Risikomass. Genau dann, wenn die Diversifikation am meisten gebraucht wird, ist sie mit Covered Call Writing (short Put) nicht da. Sollte es in der Zukunft einen investierbaren CCW-Ansatz geben, der nachhaltig verhindert, im Crash quasi nach unten “dabei zu sein”, wird diese Anlageklasse hochwahrscheinlich im DiR2 vertreten sein.

**Long Volatilität**

Wenn das Schreiben von Optionen (CCW) das Verkaufen von Volatilität ist, dann bedeutet das Kaufen von „Vola“ das Gegenteil. Allerdings sprechen wir hier von „reiner“ gehandelter Volatilität und nicht von ihr als Bestandteil in Optionen auf andere Basiswerte. Es gibt ETFs auf die implizite Volatilität von Optionen auf den S&P500, dem sogenannten VIX (Vola-index).

Da Volatilität in der Regel in einem Aktiencrash stark ansteigt, hat long Vola genau dann eine negative Korrelation, wenn der Fonds sie braucht. Das ist eine für den Fonds sehr gewünschte Eigenschaft. Es bedarf aber auch der zweiten Komponente für den Fonds, und das ist die langfristige Erwirtschaftung einer eigenständigen positiven Rendite. Hier versagt long Vola, weil die Derivate auf Volatilität sehr hohe sogenannte Nettohaltekosten (Cost-of-Carry) haben. Sie „verbrennen“ also Geld, wenn es keinen Crash gibt. Langfristig wird eine so hohe negative Rendite erzielt, dass sich der Fonds als Ganzes verschlechtert. Da sich der Vola-Anteil durch die negativen Kosten kontinuierlich abbaut, muss er durch Umschichtungen, also Entnahmen aus den anderen Anlageklassen, immer wieder aufgestockt werden. Nur so ist er im Crash-Fall groß genug, einen signifikanten Beitrag zur Reduktion des Risikos zu liefern.

Es gäbe die Möglichkeit, in Varianz (also Volatilität quadriert) zu gehen. Auch diese Produkte gibt es. Sie explodieren geradezu mit 3-4stelligem Kurswachstum im Crash-Fall und könnten deshalb mit nur einem sehr kleinen Anteil den Ausgleich eines schnellen Aktienrückgangs aufwiegen. Leider sind in dieser Version die negativen Haltekosten aber auch exponentiell hoch, so dass dieser Baustein noch viel schneller schmilzt und deshalb auch nicht sinnvoll im Fonds einsetzbar ist.

Beide Produktarten sind deshalb für Timing-orientierte, aktive Fondsansätze durchaus geeignet, haben aber in einem Passiv-Passiv-Konzept keinen Nutzen.

**Immobilien**

In der App “AAA Asset Allocation Analyzer” ist die Anlageklasse Immobilien vertreten. Im DiR2-Fonds fehlt sie. Der Grund liegt in den regulatorischen Anforderungen an einen sogenannten UCITS-Fonds. Dieser ist die weltweit höchstregulierteste Fondskonstruktion.
Es gibt verschiedene Formen, in Immobilien als Anlageklasse zu investieren. An der Börse gibt es davon zwei:

a) Aktien von Anlagegesellschaften, die nahezu ausschließlich in den Immobiliensektor investieren und deshalb steuerliche Vorteile genießen bzw. keine steuerlichen Nachteile beim Ausschütten der Immobilienerträge erleiden. Sie heißen REITs.

b) Die andere Form sind die offenen Immobilienfonds. Sie werden nicht wie Aktien gehandelt und bewegen sich basierend auf Bewertungen der von ihnen gekauften Immobilien.

In der App sind Immobilien durch einen offenen Immobilienfonds repräsentiert und leistet dort seinen guten Beitrag zur Optimierung des Gesamtportfolios. Im DiR2 darf kein offener Immobilienfonds vertreten sein, weil es sich bei ihnen um sogenannte AIF (Alternative Investmentfonds) handelt, die in UCITS-Fonds als Bestandteil verboten sind.

REITs werden für den DiR2 nicht benutzt, obwohl sie langfristig sowohl eine positive Rendite erwirtschaften, als auch gegenüber anderen Anlageklassen in der Regel wenig korreliert sind. Leider handelt es sich aber im Crash um Aktien, die dann mit einer 100%igen Korrelation aufwarten und deshalb den Maximum Drawdown verstärken. Damit weisen sie das gleiche Verhalten wie Covered Call Writing (das Schreiben von Optionen) auf. REITs sind also eine Unteranlageklasse bei Aktien.

**Rohstoffe**

Auch Rohstoffe haben das Phänomen von long Volatilität und weisen passiv langfristig hohe negative Nettohaltekosten auf. Dies geschieht wie bei Vola-Derivaten durch das „Rollen“ der kurzfristigen Futures bei gleichzeitig fehlender natürlicher Ertragsquelle im Future-Kontrakt (Dividenden, Zinsen, Mieteinnahmen, Versicherungsprämien).

Deshalb sind reine Rohstoffe trotz gutem Diversifikationsbeitrag im passiven DiR2-Konzept nicht vertreten. Rohstoffaktien haben die gleiche Schwäche wie REITs und gehören als Untergruppe in die Anlageklasse Aktien.